Ein Angriff auf unsere Erinnerung – Entsetzen über gestohlene Stolpersteine in Kaiserslautern
Mit Fassungslosigkeit haben wir vom Diebstahl der Stolpersteine in der Steinstraße 21 erfahren.
Vier dieser kleinen, aber bedeutungsvollen Mahnmale wurden gewaltsam entfernt – sie erinnerten an die jüdische Familie Hené, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und entrechtet wurde. Es ist das erste Mal, dass so ein Vorfall in Kaiserslautern bekannt wird.
Für das Bündnis „Kaiserslautern gegen Rechts“ ist klar: Hier handelt es sich nicht nur um einen gezielten Diebstahl, sondern um einen Angriff auf unsere aktive Erinnerungskultur. Die Stolpersteininitiative ist ein zentraler Baustein der historischen Aufarbeitung in Kaiserslautern. Sie verleiht den Opfern Namen, Gesichter und Geschichten – und rückt sie sichtbar in unseren Alltag.
Die gestohlenen Steine erinnerten an Emil Hené und seine Familie. Emil wurde 1885 in Landstuhl geboren, war Kaufmann und lebte mit seiner Frau Rosa und den beiden Töchtern Irene und Ruth in Kaiserslautern. Während seine Verwandten, wie sein Bruder Siegbert, 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet wurden, gelang es der älteren Tochter Irene rechtzeitig zu fliehen: Im Juni 1936 verließ sie Deutschland und wanderte nach Palästina aus. Diese Entscheidung rettete ihr vermutlich das Leben. Ihre jüngere Schwester Ruth konnte im Dezember 1939 im Alter von nur 13 Jahren ebenfalls nach Palästina entkommen. Für viele andere Angehörige kam jede Hilfe zu spät.
Der Gedanke, dass jemand gezielt Erinnerungszeichen an frühere Mitbürger*innen entfernt, ist schwer nachzuvollziehen. Solche Taten machen deutlich, wie wichtig es ist, Orte des Gedenkens zu schützen und aufmerksam zu bleiben, wenn unsere Erinnerungskultur angegriffen wird.
Wir stehen solidarisch mit der Stolpersteininitiative Kaiserslautern und allen, die sich seit Jahren für ein würdiges Gedenken einsetzen.
Die Stadt hat angekündigt, die Steine schnellstmöglich zu ersetzen. Doch dieser Vorfall macht deutlich: Erinnern ist kein stiller Akt. Es ist Haltung, Verantwortung – und ein deutliches Nein zu Hass, Antisemitismus und Verdrängung.

Mahnwache & provisorische Verlegung
Am 28.05.2025 erinnern wir in Kaiserslautern an die jüdische Familie Hené, deren Stolpersteine am 13. Mai gewaltsam entfernt wurden – ein gezielter Angriff auf das Gedenken und unsere Erinnerungskultur.
Emil und Elsa Hené wurden nach Gurs deportiert und später in Auschwitz ermordet. Ihren Töchtern Irene und Ruth gelang im Jugendalter die Flucht nach Palästina. Ihre Geschichte steht exemplarisch für Verfolgung, Verlust – und Überleben.
Die Stolpersteininitiative lädt ab 17:00 Uhr zur Mahnwache in der Steinstraße 21 ein – wir unterstützen dieses wichtige Zeichen des Erinnerns und stehen solidarisch an ihrer Seite.
Übergangsweise werden Stolpersteine aus dem 3D-Drucker verlegt – damit Namen, Schicksale und Geschichte weiterhin sichtbar bleiben.
Erinnern heißt Verantwortung übernehmen.
Für heute – und für morgen.

Provisorische Stolpersteine verlegt
Am 28. Mai kamen rund 60 Menschen zur Verlegung provisorischer Stolpersteine für die Familie Hené zusammen – nachdem die Originale Anfang Mai gestohlen worden waren.
Eine Tat, die sichtbar macht, was nicht in Vergessenheit geraten darf.
Sie hat Spuren hinterlassen. Viele haben sich solidarisch gezeigt, Anteil genommen – und eines wurde deutlich:
Die Geschichte der Familie Hené ist nun einmal mehr in den Köpfen – in Kaiserslautern und darüber hinaus.
Unser Dank gilt der Stolpersteininitiative Kaiserslautern und allen Unterstützer*innen für ihren unermüdlichen Einsatz. Ebenso danken wir den zahlreichen Menschen und Institutionen, die Interesse gezeigt, sich solidarisiert und das Gedenken aktiv mitgetragen haben.
Wir machen weiter.
Gegen das Vergessen.
Erinnern heißt handeln.
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